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Interview @ BiG

Interview von Raul Gschrey mit Michaela Filla im BiG (Büro für interdisziplinäre Gesprächskultur) im ATELIERFRANKFURT. Das komplette, bebilderte Interview zu künstlerischem und wissenschaftlichem Forschen und Räumen zu Gegenwartskunst in Frankfurt, sowie der aktuellen Ausstellung im Atelierfrankfurt gibt es auf Pudding Explosion.

Michaela: Raul, Du bist Künsler, Lehrer und Forscher und arbeitest zur Zeit an Deiner Promotion zum Thema “Composite & Eigenface: Histories and Continuities of Human Measurement between Arts and Science” und beschäftigst Dich besonders mit der Technik der Kompositfotografie. Was genau beutet Kompositfotografie und warum beschäftigst Du Dich damit?

Raul: Also die Kompositfotografie ist eine ganz merkwürdige fotografische Technik. Sie wurde Ende des 19. Jahrhundert von dem viktorianischen Wissenschaftler Francis Galton entwickelt. Durch die Überblendung von menschlichen Gesichtern versuchte Galton auf visuelle Spezifikationen zu schließen und darüber Typisierungen herzustellen. Er ging davon aus, dass sich durch diese Technik zeigen lässt, wie zum Beispiel der typische Verbrecher oder ein gesunder Soldat des damaligen Empire aussieht. Dahinter liegt natürlich die Idee, von äußerlichen Charakteristika auf innere Dispositionen schließen zu können, d.h. anhand der Größe von Nase, Augen, Mund usw. psychische Probleme oder kriminelle Eigenschaften zu erkennen. Galtons Kompositfotografie bezieht sich auf ältere physiognomische Konzepte, als man die Maße und Proportionen vom menschlichen Kopf bzw. Gesicht nahm, um anhand dieser auf Charaktereigenschaften zu schließen. Galton gilt übrigens heute als Begründer der Eugenik, also einer Vererbungspolitik die darauf abzielte, den Anteil positiv bzw. negativ bewerteter Erbanlagen zu vergrößern bzw. zu verringern. Seine Theorien wurden später zum Bezugspunkt nationalsozialistischer Rassenlehre.

Was mich besonders an der Technik interessiert, ist, dass sie zu Beginn der Fotografie entstand. 1870 war die Fotografie ein junges Medium im Findungsprozess und bewegte zwischen einer mechanischen, objektiv-wissenschaftlichen Darstellung der Realität und künstlerisch kreativen Ansätzen, bei denen es eher darum ging Stimmungen auszudrücken. Kompositfotografien, die zur vermeintlich wissenschaftlichen Analyse eingesetzt wurden, tatsächlich aber eher wie Geisterbilder aussahen, lagen irgendwo dazwischen. Weiterlesen

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“Let Go Anchor!”

19.-23.11.2014 Opening Atelierfrankfurt, Schwedlerstraße 1-5, 60314 Frankfurt am Main, exhibition open until 30.12.2014

Zur Eröffnung des neuen Atelierhauses des Atelierfrankfurt im Frankfurter Ostend/Osthafen gibt es Kunst, Musik und Party, u.a. auch “Let Go Anchor!” eine Installation von Raul Gschrey in der ehemaligen Pförtnerloge, die den alten und neuen Ort verbindet und den neuen Ankerplatz feiert. Mehr Infos & Programm.

///Opening of the new studio building of the Atelierfrankfurt in Frankfurt’s East End with art, music and party, among others “Let Go Anchor!” an installation in the former porter’s office that links the old and new location and celebrated the new anchorage ground. More info & programme.

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Material Matters

Material Matters in Times of Crisis Capitalism: Transnational Feminist and Decolonial Approaches /// Materialität im Krisen-Kapitalismus: Transnational-Feministische und Dekoloniale
Perspektiven /// Cuestiones Materiales en Tiempos del
Capitalismo de Crisis: Enfoques transnacionales feministas y decoloniales

13th – 15th November 2014, Conference & Exhibition, Institute of Sociology, Justus-Liebig University, Giessen. Main Building
Ludwigstraße 23, 35390 Gießen

Thursday 13.11: 16.00 Conference opening ; 17.00 keynote: Gayatri Chakravorty Spivak, 19.00 performance by Raul Gschrey & exhibition opening.

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Crisis is not exceptional in capitalism but its constant companion. It represents the foundation from which the modern/colonial world system has evolved. This conference draws on critical feminist economics and decolonial feminist thought and practice on material matters. The question of materiality has emerged as a central topic in recent years. Under the umbrella term “new materialism”, this interdisciplinary and multifaceted academic debate seems to have revived a Marxist vocabulary. Yet, the question of why “materiality” matters in times of crisis capitalism is rather absent in this debate. We are considering this question by three inter-related aims: first, to examine from transnational feminist perspectives the impact of the global crisis on people’s livelihoods; second, to explore the theoretical contributions of the triad of feminism, coloniality and political economy; and, third, to consider critical feminist economics and decolonial approaches to thinking alternative economies and convivial futures.